VERSTÄRKER

[ Jugendpolitik auf Deutsch und auf Finnisch ]

Jugendparlament Tuusula

Von Stephanie Lachnit • 11. Dezember 2009 • Kategorie: AKTIONEN

Rechte: Stephanie Lachnit

Jens Mustonen lebt in Tuusula, ganz im Süden Finnlands, eine halbe Zugstunde nördlich von Helsinki. Tuusula ist ein Dorf, ein besonderes Dorf. Es hat ein wenig mehr als 35.000 Einwohner und ganze fünf Jugendzentren. Tuusula ist seit 2007 weltweit bekannt, denn hier ereignete sich das Schulmassaker von Jokela, einer Teilgemeide von Tuusula.

Jens ist 18 und arbeitet an seinem Highschool-Abschluss. Nebenbei engagiert er sich in der Schülerunion seiner Schule, einer Art Schülervollversammlung, und er ist seit zwei Jahren Vize-Präsident des Jugendparlament seines Heimatortes - einer von den Wenigen, die sich hier kommunalpolitisch engagieren wollen. “Wir sind momentan nur sieben Leute im Parlament, acht von uns sind zum Studieren weg gezogen”, erzählt Jens. Leute fürs Mitmachen zu begeistern sei schwer, erzählt er. Auch er wird sich bald von seinem Amt verabschieden müssen. “Man kann nur bis maximal 18 dabei sein.”

Rechte: Stephanie Lachnit

Trotz der geringen Mitgliederzahl war das Jugendparlament bereits erfolgreich. “Meine Vorgänger haben erreicht, dass hier in Tuusula ein Alkohol- und Drogenberatungszentrum eingerichtet wurde”, berichtet Jens. Auch ein Skatepark wurde auf Initiative der Jugendlichen gebaut. “Momentan arbeiten wir daran, dass es für alle 9.-Klässler einen verpflichtenden Besuch beim Schulpsychologen gibt. Als finnischer Jugendlicher geht man normalerweise nicht zum Psychologen. Wir wollen mit der Einführung einer Pflicht die Berührungspunkte mindern, vorsorgen und helfen, bevor es zu spät sein könnte.”

Jens will Gleichaltrigen helfen, das sei seine Motivation sich zu engagieren. Seit vier Jahren ist er aktives Mitglied im Jugendparlament. “In den letzten beiden Jahren hat sich unser Einfluss auch verbessert”, sagt er. Er weiß aber, dass Geduld und Hartnäckigkeit wichtige Skills sind, um voran zu kommen. Denn so mancher Vorschlag bleibe schonmal in den Mühlen der Bürokratie stecken, meint Jens. “Aber die Politiker sind verpflichtet, uns auf alle unsere Vorschläge und Anregungen eine Antwort zu geben.”

Wenn er in 2010, zur nächsten Legislaturperiode, alterbedingt aus dem Jugendparlament ausscheidet, wird er seinen Militärdienst antreten. “Danach werde ich höchstwahrscheinlich studieren. Denn ich will nicht ausschließen, dass ich später vielleicht als Politiker im Parlament arbeite. Dafür macht ein Studium Sinn.” Hilfreiche Erfahrungen hat er bereits gemacht. Nicht nur Sitzungen und Ausschüsse, auch Interviews gehören zu seinem Aufgaben als Vize-Präsident. Erst gestern habe er der Times ein Interview gegeben, erzählt er und lacht. “Der Reporter hat mich gefragt, ob ich an unserem Schulsystem auch etwas schlecht finde. Wie denn? Ich kenne ja nur dieses eine. Und ich bin sehr zufrieden damit.”

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